Vorzugshaltung des Kopfes, überstreckte Haltung und Dreimonatskoliken bei einem Baby

Eine Mutter stellte ihr 4,5 Wochen altes Baby auf Empfehlung einer Hebamme vor.
Bereits im Krankenhaus sprach man eine Vorzugshaltung des Kopfes an. Die Kleine wandte ihren Kopf zu 90% nach rechts. Der Mutter fiel auch eine starke Überstreckung ihres Babys auf, egal ob beim Tragen oder im Liegen.
Seit ein paar Tagen häuften sich kleine Spuckattacken direkt nach den Mahlzeiten. Die Kleine wurde gestillt, wobei das Stillen an der linken Brust nicht so gut funktionierte. Die Gewichtszunahme war jedoch stetig. Weiterhin vermutete die Mutter bei ihrem Baby quälende Bauchschmerzen, da sie sich gerne krümmte und sich beim Stillen häufig unruhig verhielt. Ab den Nachmittagsstunden wirkte die Kleine sehr unzufrieden, blieb alleine ungerne liegen und ließ sich auch beim Tragen nur schwer beruhigen. Ob tagsüber oder abends fand sie ganz schlecht in den Schlaf.
Die Schwangerschaft verlief komplikationslos, die Geburt war spontan und ohne besondere Vorkommnisse.
Die osteopathische Befunderhebung ergab eine einseitige Verformung des Hinterkopfes. Durch die Vorzugshaltung wurde der Kopf auf der rechten Seite abgeflacht. Sowohl die Spontanmotorik nach links als auch die passive Bewegung nach links waren nicht durchführbar. Die hintere Muskelkette (Überstreckung) war stark dominant, gegenüber der vorderen Muskelkette.
Die obere Region der Halswirbelsäule zeigte eine Mobilitätseinschränkung. Der craniosacrale Rhythmus (CRI) des Schädels war vermindert. Zwischen dem Hinterhauptsbein (Os occipitale) und dem Keilbein (Os sphenoid) lag eine Dysfunktion vor.
In der Beckenregion war auf der linken Seite das Kreuzbein (Os sacrum) blockiert.
Die genannten Punkte behandelte ich durch sanfte Techniken. Nach der zweiten Behandlung konnte die kleine Patientin den Kopf passiv endgradig nach links drehen, bevorzugte aktiv aber noch zu 70% die rechte Seite. Spucken und Überstrecken ließen deutlich nach. Insgesamt wurde die Kleine deutlich zufriedener und ruhiger. Beim Stillen gab es keinen Unterschied mehr.
Durch die Fehlhaltung kam es wahrscheinlich zur Irritation des N. vagus, der u.a. für die Verdauung zuständig ist.
Das Baby erhielt noch wenige Behandlungen, bis auch die Spontanmotorik ausgeglichen war.
Den Eltern rate ich nach Wachstumsschüben 1-2 x im Jahr vorstellig zu werden. Dadurch besteht eine bessere Kontrolle hinsichtlich einer Skoliose oder weiteren Fehlhaltungen. Grundsätzlich sollten die Asymmetrien sehr frühzeitig behoben werden, da sie einen starken Einfluss auf die späteren Symptome wie z.B. Konzentrationsstörungen, AD(H)S, Unausgeglichenheit, Wahrnehmungsstörungen, Fehlsichtigkeit, Hyperaktivität, Skoliose, Zehenläufer, KISS Syndrom, etc. haben.